Aufgeschlagen in Griechenland

Was für ein Tag! In Dubrovnik Kaiserwetter und alles lief wie am Schnürchen. Unser Zielplatz Sitia auf Kreta öffnete erst um 12:30 UTC (13:30 deutsche Zeit, 14:30 griechische Zeit) und das nur für ein paar Stunden. Warum das so ist, weiß keiner. Wir wollten uns keine Optionen nehmen und haben unsere Startzeit daher so geplant, dass wir genau zur Platzöffnung ankommen. Wir waren schon auf einiges gefasst durch die ganzen Horrorberichten von Privatpiloten auf Griechenlandreise. Lotsen die kein Englisch sprechen, Inkompetenz an allen Ecken, umständliche Verkehrsführung, etc.

Zuerst galt es jedoch, Albanien und FYROM zu überfliegen. In Albanien würden wir unser Flugzeug nicht parken wollen aber in 15000 Fuß haben wir uns recht sicher gefühlt. Die albanischen Lotsen waren erste Sahne, das war wie von zu Hause gewohnt. Danach FYROM — Former Yugoslavian Republic of Macedonia –, so der offizielle Name dieses Landes. Man könnte auch Mazedonien sagen aber dagegen haben die Griechen in der EU ihr Veto eingelegt, denn sie besitzen eine Provinz desselben Namens. FYROM war in jeder Hinsicht eine positive Erfahrung: sehr schöne Landschaft und vorbildliche Flugverkehrskontrolle. Man hat sich sehr gut um uns gekümmert und Abkürzungen von sich aus vorgeschlagen und immer wieder gefragt ob man etwas für uns tun könnte.

Dann ging es nach Griechenland und die Spannung stieg. Eine Sache war sehr positiv: alle Lotsen sprachen passables Englisch und waren freundlich und zuvorkommend. Allerdings in keinster Weise zu den bisherigen zu vergleichen. Unser aufgegebenes Routing war — wie immer in Europa — ziemlich indirekt und kein griechischer Lotse käme jemals auf die Idee, den Flug über Abkürzungen zu optimieren. Auf Nachfrage hieß es (wie bei jeder Nachfrage) "standby, I will call you back". Gefühlte 10 Minuten später haben wir eine Abkürzung bekommen, hurra! Wir haben also nur 20 Liter Sprit sinnlos verblasen. Dann wurde es kafkaesk: "D-EDGK, direct ATV VOR, maintain Heading 140". Jeder IFR-Pilot wird jetzt stutzig: ich soll also direkt auf das Funkfeuer ATV (Athen) zufliegen und dabei die Nase in Richtung 140° halten. Was ist wenn mich das wegen Wind vom Kurs abtreibt? Soll ich dann trotzdem 140 fliegen oder korrigieren damit es nach ATV geht? Dreifache Nachfrage brachte keine Lösung: wir sollen 140° fliegen und direkt auf das Funkfeuer zufliegen. Vielleicht wird das Funkfeuer am Boden versetzt so dass es stimmt? Wir haben uns dann gesagt "lass sie labern" und sind weiter auf ATV zugeflogen.

Dann wurde das Wetter interessant. Wir wussten schon vorher, dass es hohe Wolken gibt und wir etwas kurven müssen. Es sah aber eindeutig fliegbar aus und das war es auch. Wir waren für Flugfläche 150 (5 Kilometer) angemeldet und stiegen dann zukzessive bis auf Flugfläche 180 (6 km) um über den meisten Wolken zu bleiben und weniger oft ausweichen zu müssen. Wir sind Instrumentenflieger, dürfen also durch jede Art von Wolke aber diese sogenannten "towering cumulus" sind ziemlich rabiate Exemplare, das gibt eine Berg- und Talfahrt und nachher ist im Cockpit alles gemischt (außerdem stört das Winseln von Markus). Auf Flugfläche 180 muss man die Sauerstoffsättigung andauernd kontrollieren und einen guten Plan haben, was man tut wenn die Sauerstoffanlage versagen sollte. Trotz jahrelangem Kettenrauchen bei Markus war unsere Sättigung immer zwischen 95-98% — Topwerte!

Wie wir näher kamen an Sitia haben wir angefangen den Platz zu rufen um die Bestätitung zu bekommen, dass er geöffnet ist. Das ist uns nicht gelungen, obwohl wir sehr hoch flogen. Wir begannen uns Sorgen zu machen. Heraklion (unser Ausweichplatz) kostet Hunderte von Euros und hat keinen Sprit für uns. Nachfragen bei den Lotsen ergaben, dass der Platz geöffnet sei, wir sollten uns keine Sorgen machen. Sodann erfolgte ein Abstieg von 18000 Fuß auf 2400 Fuß in kurzer Zeit und netterweise als "visual maneuver", wir konnten also beliebig rumfranzen und den bösen Cumulussen ausweichen — wir wissen mittlerweile dass Markus zartbesaitet ist. Das muss man den Lotsen hoch anrechnen, unter IFR ist so etwas ganz und gar nicht selbstverständlich.

Nun begann der Anflug auf Sitia, VOR DME 23 für Experten. Der Wind war schrecklich: 30 Knoten und 90° von rechts, schlimmer geht es nicht! Das ist weit außerhalb von der Zulassung des Flugzeugs und meiner bisherigen Pilotenerfahrung. Der Wind war kräftig angesagt aber lange nicht so und schon gar nicht quer zur Bahn. Sitia hatte bis vor einigen Jahren eine perfekte Bahn in Windrichtung aber durch irgendwelche EU-Mittel hat man wohl beschlossen, diese durch eine um 90° gedrehte Bahn zu ersetzen. Macht die Landung interessanter. Wir haben uns entschlossen zu landen, denn unsere Alternativen hatten ähnliche Windbedingungen und wir dachten, das sei zu machen. Die Landung war hart (Kiste 2 mal gesprungen), ich hatte große Angst davor, dass mir der Seitenwind einen Flügel heben könnte und bin daher einen sogenannten Crab-Approach geflogen anstatt des sonst von mir präferierten hängenden Flügels. Dazu habe ich beschlossen, die Landung mit erhöhter Geschwindigkeit und nur 20° Klappen (anstatt der üblichen 40°) durchzuführen, um nicht zum Spielball einer möglichen Böe zu werden — schon gar nicht mit 120 Liter Sprit in der Kabine. Die GoPro-Kamera hat die Landung in voller Schönheit aufgezeichnet. Bis zur Durchsicht des Videos (welches ich eigentlich vernichten wollte) war mir die Landung peinlich aber jetzt muss ich sagen, sie war wirklich gut.

Wir haben getankt zum Spotpreis von 3.20 € pro Liter und dann das Flugzeug gut vertaut und sind wieder in Schengen eingereist. Der Flughafen von Sitia ist — interessant. Eine üble Bruchbude könnte man sagen aber man sieht, dass an einem ganz neuen Terminal gebaut wird. Es sei ihnen gegönnt.

Ein Taxi brachte uns günstig und sehr freundlich zum besten Hotel Sitias, das jetzt in der Nichtsaison sehr günstig ist. Wirklich schon hier. Jetzt brauchen wir ein Bier und Gyros, dann wird Ägypten geplant.

Achja: Ahmed konnte uns heute gerade rechtzeitig nach "vielen großen Problemen" die Einfluggenehmigung für Ägypten besorgen. Hurra, danke Ahmed!

Stepan Schumachović

Unser Taxifahrer am Flughafen Dubrovnik sagte nach der Begrüßung und dem Einladen des Gepäcks "wir können auch Deutsch schwätzen". Ein in Stuttgart lebender Kroate, was für ein Zufall! Er ist professioneller Rallyefahrer für Audi Heidenheim und zur Zeit auf Heimaturlaub und Aushilfe im väterlichen Taxibetrieb.

Er fuhr wie erwartet aber höchst gekonnt. Seine Manöver kommentierte er meist mit "das kostet 1000 € Strafe wenn die Polizei das sieht". Somit mussten wir uns heute natürlich von ihm wieder abholen lassen. Die Fahrt zurück war noch besser und er versprach uns, dass wir nächste Woche auf dem Rückweg mit ihm in seinem VW Rallye Polo (2 Sitze und 280 PS) mitfahren dürfen. Ein prima Kerl und eine tolle Bekanntschaft!

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Glückliche Landung in Dubrovnik

Die erste Etappe ist geschafft! Nach einem völlig problemlosen Flug sind wir pünktlich auf dem verwaisten Flughafen von Dubrovnik angekommen. Mangels anderer Aufgaben hat man sich gleich in voller Kompaniestärke rührend um uns gekümmert. Zwei Tankwarte füllten unsere Flächentanks und die 4 Kanister für die Weiterreise.

 

Der komplette Flug hätte auch unter Sichtflugbedingungen durchgeführt werden können — wir waren zu keinem Zeitpunkt in Wolken.

Das Wetter für morgen sieht nicht besonders toll aus aber wahrscheinlich ist es gerade noch gut genug für unsere Weiterreise. Nach einem hervorragenden Abendessen in der wunderschönen Altstadt von Dubrovnik haben wir uns eine Séance im noblen Spa des Hotels gegönnt und haben jetzt die nötige Bettschwere. Heute ist Valentinstag aber im Bett neben mir liegt Achim. Das ist wirklich bitter.