Aus und vorbei

Jetzt können wir die Reise wirklich als abgeschlossen und geglückt bezeichnen. Die Cessna ist wohlbehalten in ihrem Hangar eingetroffen und die beiden Piloten leben noch. Wer hätte das für möglich gehalten? Nachdem wir am Montag den Anflug auf Heubach nach Sichtflugregeln (leider kein Instrumentenanflug möglich) nicht geschafft hatten und uns gegen eine Landung in Stuttgart entschieden haben, mussten wir die Cessna in Friedrichshafen abstellen. Heute war es nun an der Zeit, die Maschine nach Hause zu holen. Wenn es darum geht, sonntags früh aufzustehen und eine verantwortungsvolle Aufgabe auszuführen, dann kommt erwartungsgemäß nur Achim in Frage. Markus musste noch seinen Rausch von der Flatrate-Party ausschlafen, bevor er sich gegen 12 Uhr zum Dönerfrühstück in Stuttgart aufmachte. Achim stieg um 08:34 in die S-Bahn und kam gegen 11 Uhr am Flughafen Friedrichshafen an, wo es im Gegensatz zum sonnigen Stuttgart noch wolkenverhangen und grau war. Zur großen Überraschung pulsierte am Flughafen Friedrichshafen das Leben, denn der Flughafen dient seit neuestem skiwütigen Briten als Einfallsort: ganze drei Maschinen aus London kamen innerhalb einer Stunde an!

Der Rückflug war nur ein kurzer Sprung von 30 Minuten und führte nach dem Start nach Südwesten über den See und durch die Wolken in den strahlend blauen Himmel auf direktem Kurs nach Heubach. Nach der Landung wurde die Maschine im Hangar verstaut und notdürftig aufgeräumt. Die spannende Frage, wie sie vom Saharasand, den wir auf dem Flug zurück nach Griechenland in jede Ritze gedrückt bekommen haben, befreit werden kann, ist bisher ungelöst.

Showdown in Friedrichshafen

Dieser Trip lief eindeutig zu gut. Weder technische noch sonstige Probleme führten zu den von unseren skandalverwöhnten Lesern erwarteten Desastern. Nach einem zusätzlichen Wellnesstag in Dubrovnik war die Sternenkonstellation für unseren heutigen Heimflug äußerst günstig. Wenig Wolken unterwegs und vorwiegend blauer Himmel nördlich der Alpen und eine aufgelockerte Wolkenschicht am Zielort, das garniert mit kräftigem Rückenwind ließ uns einen Home-Run für den letzten Abschnitt erwarten.

Die ersten beiden Stunden lief alles wie erwartet, vielleicht ein paar mehr Wolken als vorausgesagt aber dafür 30 Knoten kostenlosen Schub von hinten. Nördlich der Alpen keine Wolken, nur etwas Dunst. Ab der Donauniederung (bei Ulm) änderte die sich die Lage: eine geschlossene Wolkenschicht in ca. 8000 Fuß und wenig später noch eine weitere gebrochene Schicht darüber. Auf 10 000 Fuß flogen wir weiter Richtung Heubach (bei Aalen, 50km östlich Stuttgart) in der Hoffnung, eine Wolkenlücke für den Wechsel von IFR nach VFR (Sichtflug) zu finden. Alternativstrategie war Weiterflug nach Schwäbisch Hall, dort über den ILS (Instrumentenlandesystem) durch die Wolken brechen und dann unten im Sichtflug nach Heubach.

Über Heubach diskutierten wir die Lage kurz mit dem Flugleiter Jörg Lohmann und es war schnell klar, dass wir dort heute nicht landen werden. Also ging es weiter nach Norden in Richtung Schwäbisch Hall. Der dortige Flugleiter beschied unsere Anfrage mit "vergesst es, 400 Fuß Wolkenuntergrenze, ihr kommt niemals nach Heubach". Auch nicht optimal.

Dann also Stuttgart, das nach wie vor "gebrochene Wolkenschicht 1200 Fuß über Platz" meldete. Der Platz ist nicht billig aber von dort kommt man wenigstens mit der S-Bahn weiter. Die Flugsicherung war äußerst kooperativ und so ließ man uns in 8000 Fuß weiterfliegen (außerhalb der Wolken) bis zum Instrumentenanflug der Bahn 25 in Stuttgart. Als es ans Sinken ging sahen wir wieder nur eine geschlossene Wolkendecke, die ziemlich dick sein musste. Wir können zwar durchsinken, werden dabei aber Eis aufpacken und haben dann eventuell ein Problem beim Durchstarten. Wir durften den Platz etwas abfliegen um die gemeldeten Wolkenlücken zu suchen und der Lotse fragte andere Flieger in der Nähe nach Löchern. Ergebnis: nix. Auch der Lotse auf dem Turm in Stuttgart bestätigte, dass es keine Lücken gibt. Die Wettermeldung für Stuttgart war definitiv falsch, was ziemlich skandalös ist, denn darauf müssen sich Piloten verlassen können. Ein Anruf beim Wettermann in Stuttgart am nächsten Tag brachte die Erklärung dieser "Falschmeldung": die Lücken der unteren Schicht waren zu klein um genau die Beschaffenheit der Wolken darüber bestimmen zu können und was nicht genau bestimmt werden kann, darf nicht gemeldet werden. Man wusste also von der geschlossenen Schicht, sagte aber nichts davon. Sehr unbefriedigend.

Nun war unsere Planung erschöpft und wir mussten uns etwas Anderes überlegen. Auf dem Herflug von Süden war gutes Wetter, im Norden wurde es immer schlechter also musste es nach Süden gehen. Der Lotse der DFS war extrem professionell und fragte sofort nach unseren Treibstoffreserven um die Lage einschätzen zu können. Mehr als 3 Stunden, das war also kein Problem (ein Hoch auf die TR182!). Wir sondierten die möglichen Plätze und funkten Mengen an aber auch dort war die Wolkendecke noch geschlossen. Als wir gerade weitere Alternativen diskutierten, meldete sich der Lotse und teilte mit, dass er etwas herumtelefoniert habe und uns Friedrichshafen mit blauem Himmel empfehle. Das war die perfekte Lösung: nur 20 Minuten entfernt, voll ausgestattet mit Instrumentenanflug, gute Infrastruktur, Grenzkontrollstelle, anständige Preise. Wir flogen also weiter an den Bodensee, ließen uns vom Schweizer Lotsen auf den Instrumentenanflug der Bahn 24 legen und rutschten diesen bei gutem Wetter zur Bahn herunter. Das Flugzeug verzurrt und eingepackt, Einreise durch den Zoll, eine kleine Stärkung und neue Beurteilung unsere Optionen.

Eine Besserung in Heubach im Laufe des Tages war nicht zu erwarten und der Hüpfer nach Stuttgart hätte uns (außer den hohen Kosten) nichts gebracht. Also Mietwagen und ab nach Heubach, wo Markus Auto im Hangar steht.

Den wirklichen Abschluss findet diese Reise also in ein paar Tagen, wenn Achim mit dem Zug nach Friedrichshafen fährt und die Cessna nach Hause bringt. Markus wird dann schon wieder in seinem Großraumbüro sitzen und Supporttickets bearbeiten.

Touch Down Dubrovnik

Mal wieder Glück gehabt mit dem Wetter: Von Heraklion ging es heute über die Griechischen Inseln und Albanien zurück nach Kroatien wo wir gerade bei bestem Wetter gelandet sind. Das Wetter war auf der ganzen Strecke einwandfrei, lediglich über Griechenland hatten wir auf 14000 Fuss für rund 1 Stunde eine geschlossene Wolkendecke unter uns. Das Leg heute war das längste der Reise bisher. Mit einem kräftigen Gegenwind waren wir rund 5 Stunden non-stop unterwegs.

Der Abflug in Heraklion wurde durch einige administrative Hürden leicht verzögert. Mehrfach nannte man uns als Grund für die diversen Probleme, dass man personell unterbesetzt sei. Dies war für uns sehr schwer nachzuprüfen, da in jedem Büro mindestens vier Leute saßen und auch jede Tätigkeit wie tanken, uns über das Vorfeld begleiten von mindestens drei Mitarbeitern ausgeführt wurde. Unser absolutes Highlight war der Handlingagent, der uns zum Handlinggebäude bringen sollte und im mit 3 Personen besetzten Fiat im Schritttempo fuhr, so dass wir ihm mit Gepäck hinterherlaufen konnten. Das Bezahlen der Flughafengebühren war ebenfalls nicht ganz einfach: die Handlingagentin (eine andere aber fast genauso hübsch) führte uns durch ein Labyrinth an Gängen (Marmorböden) zu einem Büro, an dessen Klinke ein Schild in griechischer Sprache hing (irgendetwas wie "habe keine Lust" oder "bin schlafen" muss dort gestanden haben).

Nach 15 Minuten Kommunikation über Handy und Funkgerät und der Ankunft mehrerer Leute kam schließlich der zuständige Mitarbeiter und führte uns in sein großzügiges Büro. Dort wurden allerlei Daten abgefragt, die der Flughafen eigentlich am besten weiß (z.B. unsere gestrige Ankunftszeit), diese in ein DOS-Programm eingegeben und schließlich mit Hilfe von zwei Nadeldruckern auf Formulare mit Durchschlag gedruckt. Das Ergebnis der Operation war eine Rechnung über € 1,37 – zahlbar in bar und ohne Wechselgeld. Unsere Handlingagenten wollten dann noch einmal 33 € — zahlbar in bar und ohne Wechselgeld. Eigentlich ist es Aufgabe des Handlingagenten, einem solche Administrativa abzunehmen aber wie gesagt, man war personell unterbesetzt. Das Tanken hat dann sehr gut funktioniert und obwohl es angekündigt war als "zahlbar in bar und ohne Wechselgeld" wurde unsere Kreditkarte akzeptiert.

 

Europäischer Boden unter den Füssen

Touch Down Heraklion! Wer hätte das gedacht, unser Plan hat tatsächlich funktioniert, und zwar wie am Schnürchen! In aller Hergottsfrühe und bei Sonnenaufgang ging's in El Gouna am Roten Meer in den Himmel und nördlich über die Pyramiden nach "6th of October". Nur dort gibt es in Ägypten den richtigen Sprit für unser Flugzeug. Die Landung war einmal mehr sehr windig mit 30 Knoten, also etwa 60 km/h (mittlerweile eine Spezialität von uns), aber butterweich. Der Tanklaster war für unsere Maschine zwar etwas überdimensioniert, aber nach rund einer halben Stunde waren wir wieder ready to go und führten unsere Reise in nordöstlicher Richtung, die Pyramiden und quer über Cairo nach "Port Said" fort.

Die Landung war eine der leichteren, auch wenn sie durch den Rauch der von den Protestierenden angezündeten Autos geruchlich und visuell erschwert wurde. Pünktlich zu den Freitagsgebeten, nach denen dort wie aus Fernsehen und Radio bekannt, jeweils die allwöchentlichen Ausschreitungen beginnen, waren wir durch die Immigration, hatten mit dem Airport Manager gesprochen, mit dem Immigration Officer Tee getrunken und Ahmed für seine tolle Unterstützung während des ganzen Trips gedankt. Der Flugplan, welchen wir aufgegeben hatten ging einmal mehr nicht an die ägyptischen Air Traffic Controller aber auch das war kein Problem und rund 1,5 Stunden nach unserer Landung waren wir bereits wieder in der Luft auf Kurs über das offene Meer nach Kreta. Eine steife Brise direkt auf der Nase und mit minimaler Sicht wegen Saharawinden benötigten wir fast 4 Stunden für den Trip über das offene Meer und entschieden uns unterwegs, auf unseren Alternate "Heraklion" auszuweichen um einer erneuten Landung auf Sitia bei vorhergesagten 60 km/h Seitenwind zu entgehen.

Der Landeanflug auf Heraklion führte uns durch tiefe Wolkenschichten und extrem schlechte Sicht (wegen der südlichen Winde, die jede Menge Wüstensand in die Atmosphäre tragen) und die Bahn war erst genau über der Schwelle sichtbar. Dank eines Sturzfluges klappte dann dennoch der erste Versuch und nach einem sehr sympathischen Handling (siehe Fotos) sitzen wir glücklich und etwas müde im Hotel in Heraklion und planen den morgigen Weiterflug in die kalte Heimat.

Auf Wiedersehen Ägypten

Heute vor einer Woche startete unser Abenteuer im kalten und verschneiten Süddeutschland. Nach einem Bilderbuchhinflug mit bestem Wetter (von den Böen auf Kreta vielleicht abgesehen) hatten wir hier in El Gouna ein paar sonnenreiche Tage bei angenehmen 25 Grad inklusive Pool, Wakeboarden, halsbrecherischem Segeltörn mit Vollprofis, fetten Fischen und Schnorcheln am Riff. Morgen geht es zurück in den kühleren Norden und die Planung läuft auf Hochtouren. Zur Zeit sieht es so aus, dass wir morgen von El Gouna nach October (eigentlich 6th of October, ja das ist ein Stadtname) fliegen, dort die Tanks mit AVGAS (sehr hochwertiges Flugbenzin, welches in Ägypten nur dort zu bekommen ist) randvoll machen, dann 2 Stunden nach Port Said weiterfliegen wegen Immigration (und hoffen dass es nach den Freitagsgebeten ruhig bleibt) und von da rund 3,5 Stunden über das offene Meer zurück auf die windige Insel Kreta fliegen.

Der ganze Trip morgen ist sehr sportlich geplant und wird nur funktionieren, wenn absolut nichts dazwischen kommt. Wir wollen bereits um 6:30 Uhr Ortszeit morgens los um rechtzeitig über October nach Port Said zu kommen, hoffen dass dort jeweils alles wie am Schnürchen klappt und wir ohne Zeitverlust weiter nach Sitia kommen, denn die Griechen machen ihren Flugplatz freitags schon am frühen Nachmittag zu (ja auch Flughafen haben Öffnungszeiten und wer zu spät kommt, muss woanders hin ausweichen, in unserem Fall könnte das Heraklion sein). Auf dem Papier müsste das alles reichen, doch ein gewisser ägyptischer Unzuverlässigkeitsfaktor bleibt natürlich. Möge Allah unserem Vorhaben gnädig gestimmt sein.

Wie es danach weitergeht ist im Moment noch sehr offen. Denn gerade macht sich der Winter mit schlechtem Wetter erneut über Zentraleuropa breit und unser Etappenziel Dubrovnik meldet für Samstag extrem schlechtes Wetter mit Gewitter und Starkwinden — mit einem Leichtflugzeug nicht gerade erstrebenswert. Da die Grosswetterlage im Moment recht unberechenbar ist, planen wir erstmal die erste Etappe und sehen dann weiter. Je nach Wetter müssen wir ggf. westlich über Italien oder über Osteuropa ausweichen — oder abwarten. Wir werden sehen und berichten, drückt uns die Daumen.

Inschallah

Jedermann dürfte der arabische Ausdruck Inschallah geläufig sein, welcher hier allgegenwärtig ist. Übersetzt bedeutet er ungefähr "so Gott will" mit der Intention "hoffentlich". Der Araber ist sich stets bewusst, dass der Mensch denkt aber Gott lenkt und drückt dies im Einklang mit Sure 18, Vers 23-24 als Abschwächung jeglicher absoluter auf die Zukunft ausgerichteter Aussage aus. In der Funkkommunikation zwischen Flugzeugen und Luftverkehrskontrolle stellt es eine wesentliche Komponente jeglicher Anfrage und Genehmigung dar. Im Mittleren Osten sollte man die in Europa gelernten Standardausdrücke im Funk schnellstens vergessen und sich mit den lokalen Bräuchen vertraut machen. Eine der größten Überraschungen auf dieser Reise war die gute Qualität der ägyptischen Flugverkehrskontrolle: Lotsen, die flüssig Englisch sprechen, eine entspannten Atmosphäre und eine zuvorkommende Behandlung unserer Wünsche. Als kleine Hilfe für europäische Piloten, hier ein paar exemplarische Funksprüche (die Sprache des Flugfunks ist Englisch):

  • "Cairo RADAR, Cairo, Cairo, D-EDGK, salam aleikum, request shortcut direct El Gouna, insha'allah"
  • "D-EDGK, approved, direct El Gouna, isha'allah"
  • "El Gouna Tower, D-EDGK, salam aleikum, request landing information, insha'allah"
  • "D-EDGK cleared to land runway 34, insha'allah"

Die harte Landung in El Gouna wurde von Markus heftig kritisiert, aber mit dem hier Gelernten kann eindeutig festgestellt werden, dass sie im Einklang mit Allahs Vorstellungen ausgeführt wurde und daher nicht zu kritisieren ist.

El Gouna nach Marsa Alam mit 8 Knoten

Wenn 2 Profis wie Markus und Achim im Land sind, dann lassen schwierige Aufgaben nicht lange auf sich warten. Gestern ging es darum, die Ocean Diva II, ein 74-Fuß Katamaran, von ihrem bisherigen Heimathafen El Gouna ins 120 Seemeilen südlich gelegene Port Ghalib (Marsa Alam) zu überführen. Dort soll sie zukünftig als Hauptattraktion Touristen bei Tagesausfahrten beglücken.

Aufgrund der Revolution und des Einbruchs im Tourismus lag OD II (wie Freunde sie nennen) einige Zeit alleine im Hafen und daher war diese Überfahrt auch eine Erprobungsfahrt. Mit 30 Knoten Wind von hinten und einer Ankunft bei Nacht in einem uns unbekannten Hafen, hatten wir die idealen Voraussetzungen für einen spannenden Törn.

Ein weiteres Ziel war, Achims aus einer Geschäftsaufgabe erstandene Hochseeangelausrüstung einer gründlichen Erprobung zu unterziehen. Letzteres ist uns gelungen: ein Thunfisch mit ca. 10kg nach nicht einmal 15 Minuten, zwei Megabrummer, die uns erst die Angel verbogen haben und dann (mit Kieferschmerzen) abgetaucht sind und schließlich noch eine 20kg Dorade, ein absolutes Prachtexemplar. Beide wurden sogleich von unserem Fachmann Khalded filetiert und zum traditionellen Begrüßungsgeschenk für die Hafenmitarbeiter. Betriebswirt Achim hat anhand des Marktpreises der Fische sogleich den return on investment seiner Angeln ermittelt (noch 4 Fische). Wir arbeiten momentan am Business Case als Fischer in Ägypten.

Der Törn war nichts für Warmduscher, weswegen Markus auch nur halb begeistert ist. Interessant machten ihn ein paar eingestreute Erschwernisse:

  • Die Crew war nicht das was man Vollprofis nennen würde (weitergehende Ausführungen nur im persönlichen Gespräch)
  • Seekarten und vor allem Karten für die Hafeneinfahrt bei Nacht wurden als nicht notwendig erachtet
  • Das Hauptsegel konnte aufgrund falsch angebrachter Reffseile nicht aufgezogen werden; dies bei 30 Knoten und 3,5m-Wellen zu korrigieren erschien etwas riskant
  • Der Steuerbord-Motor fiel wegen eines Problems mit der Lagerung der Schiffsschraube aus (nicht das erste Mal, hier hat Volvo gepfuscht)
  • Die Weiterfahrt auf einem Motor und mit Vorsegel war langsam und nicht innerhalb der Spritreserven möglich
  • Die dann beschlossene Aktion, das Hauptsegel doch aufzuziehen ging nicht ohne Gefährdung von Material und Menschenleben
  • Die schwierige Hafeneinfahrt von Port Ghalib (ohne Karten!) wurde durch kaputte und nicht sichtbare Marker noch zusätzlich interessant. Gleichzeitig stelle man fest, dass der Bordfunk nicht funktionierte aber heutzutage kann man den Hafenlotsen auch per Handy anrufen.

Alles in allem ein gelungener Trip. Heute geht es im Auto zurück nach El Gouna.

Von Sitia über Port Said nach El Gouna

Tag 3 unserer Reise und letzte Etappe auf unserem Weg nach El Gouna in Ägypten. Nach dem stürmischen Empfang, den Sitia uns gestern bereitet hatte, beruhigte sich das Wetter und wir konnten heute morgen wie geplant mit den ersten Sonnenstrahlen wieder abheben. Heute ging es weiter in südlicher Richtung von Kreta hinaus aufs offene Meer. Vor dem Abflug vergewisserten wir uns noch einmal, dass Rettungsinsel und die Notausrüstung für den Fall einer Notwasserung griffbereit waren, ausserdem trugen wir während des gesamten Fluges Schwimmwesten. Rund zweieinhalb Stunden war unter und über uns nichts zu sehen ausser blau. Die Radarlotsen zwischen Griechenland, Zypern und Ägypten harmonisierten einwandfrei und genehmigten uns ein paar Abkürzungen, um die Zeit über dem offenen Meer zu reduzieren und etwas von unserem kostbaren Sprit zu sparen.

Die Landung in Port Said war ereignislos (zur Abwechslung) — abenteuerlich wurde es allerdings danach. Gleich nach Abstellen des Motors kamen drei merkwürdige Gestalten auf uns zu. Während einer der drei sofort unsere Pässe kassierte und sich damit davon machte, wollte uns ein ca 2 Meter grosser Kerl vom Typ Faceman (B.A. vom A-Team) Jet-Benzin (Kerosin) verkaufen, mit dem unser Flieger nur leider nicht fliegt — der benötigt so etwas ähnliches wie Super Plus. Als wir ihn darauf aufmerksam machten, wollte er uns freundlicherweise einen Discount anbieten, nur half uns das auch nicht weiter. Anschliessend mussten wir beide sofort mit zur Immigration. Da Port Said normalerweise keine internationalen Flüge abfertigt, musste der Immigration Officer eigens für uns aus der Stadt anreisen — Ahmed Engangement hat uns hier mindestens 3 Stunden gespart! In einem winzigen, dunklen Büro wurden unseren Pässe mehrfach geprüft, Visas eingeklebt, diverse Formulare ausgefüllt, bevor man uns zurück zum Flugzeug liess. Wir begannen daraufhin damit, das selbst mitgebrachte Benzin aus den Kanistern mit einem Schlauch in die Flügeltanks zu pumpen bis wir aufgefordert wurden, sofort damit aufzuhören. Zum Betanken müsse die Feuerwehr anwesend sein (mag ja bei Jets so sein) und bis die da sei sollen wir das unterlassen. Die Feuerwehr kam dann auch und zwar mit einem Monster-Löschfahrzeug, welches fortan mit laufendem Motor direkt neben unserer Cessna stand, bis wir allen Sprit umgeleert hatten. Und dann gab es noch einmal Ärger: Unser Agent (Ahmed, dem wir den Trip in Wirklichkeit zu verdanken haben) meinte ich müsse mitkommen, weil ich auf dem Flughafengelände fotografiert hätte. Ein ziemlich grimmiger Herr begleitete mich daraufhin in ein etwas abgelegenes Gebäude — wie sich herausstellte, das Büro des Flughafenmanagers.

Hinter mir wurde die Türe geschlossen und mir wurde mulmig. 5 sehr enrst schauende Männer standen aufgereiht und befahlen mir, mich hinzusetzen. Ahmed fungierte als Übersetzer und erklärte ziemlich aufgeregt, dass rund um den Flughafen Militäranlagen stünden und die zu fotografieren sei strengstens verboten. Ich musste daraufhin alle Fotos auf der Kamera allen 5 herumstehenden Kameraden (alle in Uniform) zeigen, bevor sie damit begannen, sich auf arabisch über mich zu beraten. Ich fürchtete schon eine Festnahme aufgrund von Spionage (ägyptische Gefängnisse sollen besonderns sehenswert sein), doch nach einigen Wortwechseln wurde ich überraschend wieder hinausgeschickt — mit der strengen Anweisung, keinerlei Fotos mehr zu machen. Natürlich hielten wir uns dran. Landung, Überwachen des Tankvorgangs durch die Feuerwehr und Immigration waren für uns übrigens kostenlos — dank Ahmed.

Zurück am Flieger war Achim mit Betanken mitlerweile fertig und auch unsere Pässe mit den Visa waren zurück. Wir waren erfolgreich nach Ägypten eingereist. Mit einer Cessna! Es gibt nicht viele, die das vor uns gemacht haben.

Als Dankeschön für all seine Hilfe namen wir Ahmed an Board und verliessen Port Said in Richtung El Gouna (nördlich von Hurghada, am roten Meer). Ein traumhafter Flug brachte uns entlang der Mittelmeerküste, über Cairo, die Wüste und später entlang des Roten Meers an unser Ziel. Die Funkabdeckung war über den entlegenen Gegenden teilweise so schlecht, dass wir uns nicht mehr mit der Flugverkehrskontrolle verständigen konnten. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Besatzung der Condor-Maschine, welche unser Funksprüche für uns weiterleitete.

Nach weiteren, rund 2,5 Stunden starteten wir unseren Anflug auf El Gouna mit ein paar Kreisen direkt über dem Ort. Die Landung (oder sollte ich die 5 Landungen sagen) war abermals sehr böig und entsprechend hart – aber wir haben es geschafft! Von Heubach bei Stuttgart rund 3800 Kilometer in drei Tagen über die Alpen und 10 Länder bis nach Ägypten. Hier werden wir jetzt erst einmal ein paar erholsame Tage verbringen, bevor es Mitte nächster Woche wieder zurück geht. Wir werden euch auf dem Laufenden halten.

Über das offene Meer nach Afrika

5:45 Uhr lokale Zeit (das bedeutet 4:45 deutscher Zeit) ist definitiv zu früh, vor allem wenn man das Hotelzimmer mit dem scharchenden Achim teilt und darum nachts kaum schläft. Wir haben heute jedoch noch einen herausfordernden Abschnitt vor uns und brauchen jede Minute. Nachdem Achim die Cessna hier auf Kreta förmlich auf die Bahn geschmissten hat, geht es heute rund 3 Stunden über das offene Mittelmeer von Europa nach Afrika. Die Gefahr bei einer einmotorigen Maschine ist dabei, dass wir bei einem Motorausfall keine andere Wahl haben, als irgendwo im Meer zu landen. Darum werden wir den ganzen Flug über bereits Schwimmwesten tragen und das Rettungsfloss, sowie eine Nottasche mit überlebenswichtigen Dingen griffbereit haben. Hoffen wir, dass wir sie nicht benötigen. Unser erstes Ziel in Afrika ist "Port Said" (bekannt aus Fernsehen und Radio), wo Ahmed uns mit der Immigration und des ägyptischen Paperwork helfen wird. Ausserdem werden wir hier das Benzin, welches wir in Dubrovnik in Kanister abgefüllt haben und das bisher auf unseren Rücksitzen mitfliegt, in unsere Flügeltanks umfüllen. Wir könnten auch regulär tanken, aber bei Spritpreisen von über 5 USDs pro Liter an einem nicht auf unserer Route liegenden Ort waren uns die Kanister die sympathischere Alternative. So Gott – oder besser der Ägypter – will, geht es von Port Said nach diesem Zwischenstopp gleich wieder weiter zu unserem endgültigen Ziel "El Gouna", nördlich von Hurghada.

Wir haben es gestern geschafft, den SPOT zu reparieren und hoffen dass das Live Tracking heute wieder funktioniert.