Aus und vorbei

Jetzt können wir die Reise wirklich als abgeschlossen und geglückt bezeichnen. Die Cessna ist wohlbehalten in ihrem Hangar eingetroffen und die beiden Piloten leben noch. Wer hätte das für möglich gehalten? Nachdem wir am Montag den Anflug auf Heubach nach Sichtflugregeln (leider kein Instrumentenanflug möglich) nicht geschafft hatten und uns gegen eine Landung in Stuttgart entschieden haben, mussten wir die Cessna in Friedrichshafen abstellen. Heute war es nun an der Zeit, die Maschine nach Hause zu holen. Wenn es darum geht, sonntags früh aufzustehen und eine verantwortungsvolle Aufgabe auszuführen, dann kommt erwartungsgemäß nur Achim in Frage. Markus musste noch seinen Rausch von der Flatrate-Party ausschlafen, bevor er sich gegen 12 Uhr zum Dönerfrühstück in Stuttgart aufmachte. Achim stieg um 08:34 in die S-Bahn und kam gegen 11 Uhr am Flughafen Friedrichshafen an, wo es im Gegensatz zum sonnigen Stuttgart noch wolkenverhangen und grau war. Zur großen Überraschung pulsierte am Flughafen Friedrichshafen das Leben, denn der Flughafen dient seit neuestem skiwütigen Briten als Einfallsort: ganze drei Maschinen aus London kamen innerhalb einer Stunde an!

Der Rückflug war nur ein kurzer Sprung von 30 Minuten und führte nach dem Start nach Südwesten über den See und durch die Wolken in den strahlend blauen Himmel auf direktem Kurs nach Heubach. Nach der Landung wurde die Maschine im Hangar verstaut und notdürftig aufgeräumt. Die spannende Frage, wie sie vom Saharasand, den wir auf dem Flug zurück nach Griechenland in jede Ritze gedrückt bekommen haben, befreit werden kann, ist bisher ungelöst.

Showdown in Friedrichshafen

Dieser Trip lief eindeutig zu gut. Weder technische noch sonstige Probleme führten zu den von unseren skandalverwöhnten Lesern erwarteten Desastern. Nach einem zusätzlichen Wellnesstag in Dubrovnik war die Sternenkonstellation für unseren heutigen Heimflug äußerst günstig. Wenig Wolken unterwegs und vorwiegend blauer Himmel nördlich der Alpen und eine aufgelockerte Wolkenschicht am Zielort, das garniert mit kräftigem Rückenwind ließ uns einen Home-Run für den letzten Abschnitt erwarten.

Die ersten beiden Stunden lief alles wie erwartet, vielleicht ein paar mehr Wolken als vorausgesagt aber dafür 30 Knoten kostenlosen Schub von hinten. Nördlich der Alpen keine Wolken, nur etwas Dunst. Ab der Donauniederung (bei Ulm) änderte die sich die Lage: eine geschlossene Wolkenschicht in ca. 8000 Fuß und wenig später noch eine weitere gebrochene Schicht darüber. Auf 10 000 Fuß flogen wir weiter Richtung Heubach (bei Aalen, 50km östlich Stuttgart) in der Hoffnung, eine Wolkenlücke für den Wechsel von IFR nach VFR (Sichtflug) zu finden. Alternativstrategie war Weiterflug nach Schwäbisch Hall, dort über den ILS (Instrumentenlandesystem) durch die Wolken brechen und dann unten im Sichtflug nach Heubach.

Über Heubach diskutierten wir die Lage kurz mit dem Flugleiter Jörg Lohmann und es war schnell klar, dass wir dort heute nicht landen werden. Also ging es weiter nach Norden in Richtung Schwäbisch Hall. Der dortige Flugleiter beschied unsere Anfrage mit "vergesst es, 400 Fuß Wolkenuntergrenze, ihr kommt niemals nach Heubach". Auch nicht optimal.

Dann also Stuttgart, das nach wie vor "gebrochene Wolkenschicht 1200 Fuß über Platz" meldete. Der Platz ist nicht billig aber von dort kommt man wenigstens mit der S-Bahn weiter. Die Flugsicherung war äußerst kooperativ und so ließ man uns in 8000 Fuß weiterfliegen (außerhalb der Wolken) bis zum Instrumentenanflug der Bahn 25 in Stuttgart. Als es ans Sinken ging sahen wir wieder nur eine geschlossene Wolkendecke, die ziemlich dick sein musste. Wir können zwar durchsinken, werden dabei aber Eis aufpacken und haben dann eventuell ein Problem beim Durchstarten. Wir durften den Platz etwas abfliegen um die gemeldeten Wolkenlücken zu suchen und der Lotse fragte andere Flieger in der Nähe nach Löchern. Ergebnis: nix. Auch der Lotse auf dem Turm in Stuttgart bestätigte, dass es keine Lücken gibt. Die Wettermeldung für Stuttgart war definitiv falsch, was ziemlich skandalös ist, denn darauf müssen sich Piloten verlassen können. Ein Anruf beim Wettermann in Stuttgart am nächsten Tag brachte die Erklärung dieser "Falschmeldung": die Lücken der unteren Schicht waren zu klein um genau die Beschaffenheit der Wolken darüber bestimmen zu können und was nicht genau bestimmt werden kann, darf nicht gemeldet werden. Man wusste also von der geschlossenen Schicht, sagte aber nichts davon. Sehr unbefriedigend.

Nun war unsere Planung erschöpft und wir mussten uns etwas Anderes überlegen. Auf dem Herflug von Süden war gutes Wetter, im Norden wurde es immer schlechter also musste es nach Süden gehen. Der Lotse der DFS war extrem professionell und fragte sofort nach unseren Treibstoffreserven um die Lage einschätzen zu können. Mehr als 3 Stunden, das war also kein Problem (ein Hoch auf die TR182!). Wir sondierten die möglichen Plätze und funkten Mengen an aber auch dort war die Wolkendecke noch geschlossen. Als wir gerade weitere Alternativen diskutierten, meldete sich der Lotse und teilte mit, dass er etwas herumtelefoniert habe und uns Friedrichshafen mit blauem Himmel empfehle. Das war die perfekte Lösung: nur 20 Minuten entfernt, voll ausgestattet mit Instrumentenanflug, gute Infrastruktur, Grenzkontrollstelle, anständige Preise. Wir flogen also weiter an den Bodensee, ließen uns vom Schweizer Lotsen auf den Instrumentenanflug der Bahn 24 legen und rutschten diesen bei gutem Wetter zur Bahn herunter. Das Flugzeug verzurrt und eingepackt, Einreise durch den Zoll, eine kleine Stärkung und neue Beurteilung unsere Optionen.

Eine Besserung in Heubach im Laufe des Tages war nicht zu erwarten und der Hüpfer nach Stuttgart hätte uns (außer den hohen Kosten) nichts gebracht. Also Mietwagen und ab nach Heubach, wo Markus Auto im Hangar steht.

Den wirklichen Abschluss findet diese Reise also in ein paar Tagen, wenn Achim mit dem Zug nach Friedrichshafen fährt und die Cessna nach Hause bringt. Markus wird dann schon wieder in seinem Großraumbüro sitzen und Supporttickets bearbeiten.

Der schlimmstmögliche Fall ist eingetreten

Die große Katastrophe die alle gefürchtet haben ist eingetreten: wir sitzen in Kroatien fest. Markus hat das Wetter als nicht fliegbar eingeschätzt und schielt auf das für Montag vorhergesagte Kaiserwetter. In Wirklichkeit ist das Wetter zwar anspruchsvoll aber durchaus ohne übermäßige Risiken zu fliegen.

Eine wesentliche Rolle hierbei spielt sicherlich das phänomenale Schwimmbad im Hotel und die Aussicht aus dem Fenster. Achim muss nun Markus Schwabbelkörper einen ganzen Tag lang betrachten und zusehen wie er sein für Montag geplantes Arbeitspensum am Sonntag im Hotel erledigen kann.

Festgesetzt in Kroatien?

Für Nichtpiloten an dieser Stelle mal ein kleiner Exkurs in die Flugplanung, die zur Zeit unsere tägliche Beschäftigung ist. Der relevanteste Faktor dabei ist das Wetter. Hierbei spielen neben dem Wind, welcher über unsere Reisegeschwindikeit entscheidet, vor allem die unterschiedlichen Bewölkungsarten eine wichtige Rolle. Für unsere Routenplanung benutzen wir unter anderem sogenannte "GRAMETS", das sind Prognosen, basierend auf errechneten Wettermodellen, die eine Vorhersage für eine bestimmte Route liefern.

Das Beispiel oben zeigt das Gramet für unseren für morgen geplanten Flug von Dubrovnik (LDDU) nach Heubach (EDTH). Weil Heubach nicht unbedingt von internationaler Bedeutung ist und auch keine Wetterstation besitzt, sprich keine Vorhersagen ausgibt, wählen wir als Zielflughafen Stuttgart (EDDS), das quasi um die Ecke liegt.

Auf dem Bild ist beige das Höhenprofil der Erdoberfläche dargestellt. Dabei sieht man gut, dass unsere Reise in Dubrovnik auf Meereshöhe (0 Fuss) beginnt, dann über die Alpen und später über die schwäbische Alb führt. Höchste Erhebung ist irgendwo in den Alpen bei ca. 10.000 Fuss oder rund 3.300 Meter.

Die rote, gestrichelte Linie stellt die 0 Grad Grenze dar. Gut zu erkennen ist, wie sie auf dem Weg in den Norden sinkt. Ausserdem gut zu sehen sind die verschiedenen Wolkenschichten- und Arten. Links im Bild sieht man ein paar "towering Cumulus", das sind hoch aufsteigende Wolken, die man üblicherweise zu meiden versucht, weil darin starke Auf- und Abwinde herrschen — sprich Turbulenzen. Ausserdem sind für Dubrovnik Niederschläge eingezeichnet. Auch gut zu erkennen sind grünlich schraffierte Flächen mit einem roten Symbol. In diesen Gebieten droht Vereisung. Das bedeutet, dass das Wasser in der Atmosphäre (nichts anderes sind Wolken) eine Temperatur von unter 0 Grad hat und nur noch daruf wartet, sich auf einer vorbeifliegenden Cessna festzusetzen. In unserem Fall ist das nicht sonderlich optimal, weil wir im Gegensatz zu Airlinern keine Enteisungsanlage haben. Heisst wir können Eis nicht abschmelzen und das wiederum führt unter anderem dazu, dass unsere Tragflächen irgendwann soviel Eis ansetzen, dass sie nicht mehr tragen.

Ausserdem gut zu sehen ist, dass wir morgen stellenweise eine fast durchgängige Bewölkung vom Boden bis auf Flugfläche 200 zu erwarten haben. Grundsätzlich sind Wolken kein Problem, darin stundenlang zu fliegen ist einerseits allerdings nicht besonders lustig, andererseits besteht bei einem Motor immer das theoretische Problem eines Ausfalls und da ist es ganz gut wenn man irgendwann die Erde sieht und sich ein geeignetes Feld oder noch besser einen nahen Flugplatz aussuchen kann.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Wetter alles andere als ideal ist. Ein Start unter "Towering Cumulus" würde zwar noch gehen, aber durch die aufliegenden Wolken über die Alpen wäre bei einem technischen Problem schon eine sehr unangenehme Situation. Dazu kommt die Vereisung am anderen Ende der Alpen, durch die wir, wenn wir irgendwann wieder landen wollen, gezwungenermassen durch müssten.

Wir müssen also einerseits andere Routen durchspielen (zum Beispiel weiter westlich über Italien, wo das Wetter besser zu sein scheint) oder ggf. auf eine Besserung hoffen und morgen am Boden bleiben. Zweiteres wäre zwar nicht optimal, aber angesichts des recht einladenden Spabereichs in unserem Hotel auch keine unerträgliche Situation (mal davon abgesehen, dass ich den mit Achim besuchen muss).

Touch Down Dubrovnik

Mal wieder Glück gehabt mit dem Wetter: Von Heraklion ging es heute über die Griechischen Inseln und Albanien zurück nach Kroatien wo wir gerade bei bestem Wetter gelandet sind. Das Wetter war auf der ganzen Strecke einwandfrei, lediglich über Griechenland hatten wir auf 14000 Fuss für rund 1 Stunde eine geschlossene Wolkendecke unter uns. Das Leg heute war das längste der Reise bisher. Mit einem kräftigen Gegenwind waren wir rund 5 Stunden non-stop unterwegs.

Der Abflug in Heraklion wurde durch einige administrative Hürden leicht verzögert. Mehrfach nannte man uns als Grund für die diversen Probleme, dass man personell unterbesetzt sei. Dies war für uns sehr schwer nachzuprüfen, da in jedem Büro mindestens vier Leute saßen und auch jede Tätigkeit wie tanken, uns über das Vorfeld begleiten von mindestens drei Mitarbeitern ausgeführt wurde. Unser absolutes Highlight war der Handlingagent, der uns zum Handlinggebäude bringen sollte und im mit 3 Personen besetzten Fiat im Schritttempo fuhr, so dass wir ihm mit Gepäck hinterherlaufen konnten. Das Bezahlen der Flughafengebühren war ebenfalls nicht ganz einfach: die Handlingagentin (eine andere aber fast genauso hübsch) führte uns durch ein Labyrinth an Gängen (Marmorböden) zu einem Büro, an dessen Klinke ein Schild in griechischer Sprache hing (irgendetwas wie "habe keine Lust" oder "bin schlafen" muss dort gestanden haben).

Nach 15 Minuten Kommunikation über Handy und Funkgerät und der Ankunft mehrerer Leute kam schließlich der zuständige Mitarbeiter und führte uns in sein großzügiges Büro. Dort wurden allerlei Daten abgefragt, die der Flughafen eigentlich am besten weiß (z.B. unsere gestrige Ankunftszeit), diese in ein DOS-Programm eingegeben und schließlich mit Hilfe von zwei Nadeldruckern auf Formulare mit Durchschlag gedruckt. Das Ergebnis der Operation war eine Rechnung über € 1,37 – zahlbar in bar und ohne Wechselgeld. Unsere Handlingagenten wollten dann noch einmal 33 € — zahlbar in bar und ohne Wechselgeld. Eigentlich ist es Aufgabe des Handlingagenten, einem solche Administrativa abzunehmen aber wie gesagt, man war personell unterbesetzt. Das Tanken hat dann sehr gut funktioniert und obwohl es angekündigt war als "zahlbar in bar und ohne Wechselgeld" wurde unsere Kreditkarte akzeptiert.

 

Europäischer Boden unter den Füssen

Touch Down Heraklion! Wer hätte das gedacht, unser Plan hat tatsächlich funktioniert, und zwar wie am Schnürchen! In aller Hergottsfrühe und bei Sonnenaufgang ging's in El Gouna am Roten Meer in den Himmel und nördlich über die Pyramiden nach "6th of October". Nur dort gibt es in Ägypten den richtigen Sprit für unser Flugzeug. Die Landung war einmal mehr sehr windig mit 30 Knoten, also etwa 60 km/h (mittlerweile eine Spezialität von uns), aber butterweich. Der Tanklaster war für unsere Maschine zwar etwas überdimensioniert, aber nach rund einer halben Stunde waren wir wieder ready to go und führten unsere Reise in nordöstlicher Richtung, die Pyramiden und quer über Cairo nach "Port Said" fort.

Die Landung war eine der leichteren, auch wenn sie durch den Rauch der von den Protestierenden angezündeten Autos geruchlich und visuell erschwert wurde. Pünktlich zu den Freitagsgebeten, nach denen dort wie aus Fernsehen und Radio bekannt, jeweils die allwöchentlichen Ausschreitungen beginnen, waren wir durch die Immigration, hatten mit dem Airport Manager gesprochen, mit dem Immigration Officer Tee getrunken und Ahmed für seine tolle Unterstützung während des ganzen Trips gedankt. Der Flugplan, welchen wir aufgegeben hatten ging einmal mehr nicht an die ägyptischen Air Traffic Controller aber auch das war kein Problem und rund 1,5 Stunden nach unserer Landung waren wir bereits wieder in der Luft auf Kurs über das offene Meer nach Kreta. Eine steife Brise direkt auf der Nase und mit minimaler Sicht wegen Saharawinden benötigten wir fast 4 Stunden für den Trip über das offene Meer und entschieden uns unterwegs, auf unseren Alternate "Heraklion" auszuweichen um einer erneuten Landung auf Sitia bei vorhergesagten 60 km/h Seitenwind zu entgehen.

Der Landeanflug auf Heraklion führte uns durch tiefe Wolkenschichten und extrem schlechte Sicht (wegen der südlichen Winde, die jede Menge Wüstensand in die Atmosphäre tragen) und die Bahn war erst genau über der Schwelle sichtbar. Dank eines Sturzfluges klappte dann dennoch der erste Versuch und nach einem sehr sympathischen Handling (siehe Fotos) sitzen wir glücklich und etwas müde im Hotel in Heraklion und planen den morgigen Weiterflug in die kalte Heimat.

Auf Wiedersehen Ägypten

Heute vor einer Woche startete unser Abenteuer im kalten und verschneiten Süddeutschland. Nach einem Bilderbuchhinflug mit bestem Wetter (von den Böen auf Kreta vielleicht abgesehen) hatten wir hier in El Gouna ein paar sonnenreiche Tage bei angenehmen 25 Grad inklusive Pool, Wakeboarden, halsbrecherischem Segeltörn mit Vollprofis, fetten Fischen und Schnorcheln am Riff. Morgen geht es zurück in den kühleren Norden und die Planung läuft auf Hochtouren. Zur Zeit sieht es so aus, dass wir morgen von El Gouna nach October (eigentlich 6th of October, ja das ist ein Stadtname) fliegen, dort die Tanks mit AVGAS (sehr hochwertiges Flugbenzin, welches in Ägypten nur dort zu bekommen ist) randvoll machen, dann 2 Stunden nach Port Said weiterfliegen wegen Immigration (und hoffen dass es nach den Freitagsgebeten ruhig bleibt) und von da rund 3,5 Stunden über das offene Meer zurück auf die windige Insel Kreta fliegen.

Der ganze Trip morgen ist sehr sportlich geplant und wird nur funktionieren, wenn absolut nichts dazwischen kommt. Wir wollen bereits um 6:30 Uhr Ortszeit morgens los um rechtzeitig über October nach Port Said zu kommen, hoffen dass dort jeweils alles wie am Schnürchen klappt und wir ohne Zeitverlust weiter nach Sitia kommen, denn die Griechen machen ihren Flugplatz freitags schon am frühen Nachmittag zu (ja auch Flughafen haben Öffnungszeiten und wer zu spät kommt, muss woanders hin ausweichen, in unserem Fall könnte das Heraklion sein). Auf dem Papier müsste das alles reichen, doch ein gewisser ägyptischer Unzuverlässigkeitsfaktor bleibt natürlich. Möge Allah unserem Vorhaben gnädig gestimmt sein.

Wie es danach weitergeht ist im Moment noch sehr offen. Denn gerade macht sich der Winter mit schlechtem Wetter erneut über Zentraleuropa breit und unser Etappenziel Dubrovnik meldet für Samstag extrem schlechtes Wetter mit Gewitter und Starkwinden — mit einem Leichtflugzeug nicht gerade erstrebenswert. Da die Grosswetterlage im Moment recht unberechenbar ist, planen wir erstmal die erste Etappe und sehen dann weiter. Je nach Wetter müssen wir ggf. westlich über Italien oder über Osteuropa ausweichen — oder abwarten. Wir werden sehen und berichten, drückt uns die Daumen.

Inschallah

Jedermann dürfte der arabische Ausdruck Inschallah geläufig sein, welcher hier allgegenwärtig ist. Übersetzt bedeutet er ungefähr "so Gott will" mit der Intention "hoffentlich". Der Araber ist sich stets bewusst, dass der Mensch denkt aber Gott lenkt und drückt dies im Einklang mit Sure 18, Vers 23-24 als Abschwächung jeglicher absoluter auf die Zukunft ausgerichteter Aussage aus. In der Funkkommunikation zwischen Flugzeugen und Luftverkehrskontrolle stellt es eine wesentliche Komponente jeglicher Anfrage und Genehmigung dar. Im Mittleren Osten sollte man die in Europa gelernten Standardausdrücke im Funk schnellstens vergessen und sich mit den lokalen Bräuchen vertraut machen. Eine der größten Überraschungen auf dieser Reise war die gute Qualität der ägyptischen Flugverkehrskontrolle: Lotsen, die flüssig Englisch sprechen, eine entspannten Atmosphäre und eine zuvorkommende Behandlung unserer Wünsche. Als kleine Hilfe für europäische Piloten, hier ein paar exemplarische Funksprüche (die Sprache des Flugfunks ist Englisch):

  • "Cairo RADAR, Cairo, Cairo, D-EDGK, salam aleikum, request shortcut direct El Gouna, insha'allah"
  • "D-EDGK, approved, direct El Gouna, isha'allah"
  • "El Gouna Tower, D-EDGK, salam aleikum, request landing information, insha'allah"
  • "D-EDGK cleared to land runway 34, insha'allah"

Die harte Landung in El Gouna wurde von Markus heftig kritisiert, aber mit dem hier Gelernten kann eindeutig festgestellt werden, dass sie im Einklang mit Allahs Vorstellungen ausgeführt wurde und daher nicht zu kritisieren ist.

El Gouna nach Marsa Alam mit 8 Knoten

Wenn 2 Profis wie Markus und Achim im Land sind, dann lassen schwierige Aufgaben nicht lange auf sich warten. Gestern ging es darum, die Ocean Diva II, ein 74-Fuß Katamaran, von ihrem bisherigen Heimathafen El Gouna ins 120 Seemeilen südlich gelegene Port Ghalib (Marsa Alam) zu überführen. Dort soll sie zukünftig als Hauptattraktion Touristen bei Tagesausfahrten beglücken.

Aufgrund der Revolution und des Einbruchs im Tourismus lag OD II (wie Freunde sie nennen) einige Zeit alleine im Hafen und daher war diese Überfahrt auch eine Erprobungsfahrt. Mit 30 Knoten Wind von hinten und einer Ankunft bei Nacht in einem uns unbekannten Hafen, hatten wir die idealen Voraussetzungen für einen spannenden Törn.

Ein weiteres Ziel war, Achims aus einer Geschäftsaufgabe erstandene Hochseeangelausrüstung einer gründlichen Erprobung zu unterziehen. Letzteres ist uns gelungen: ein Thunfisch mit ca. 10kg nach nicht einmal 15 Minuten, zwei Megabrummer, die uns erst die Angel verbogen haben und dann (mit Kieferschmerzen) abgetaucht sind und schließlich noch eine 20kg Dorade, ein absolutes Prachtexemplar. Beide wurden sogleich von unserem Fachmann Khalded filetiert und zum traditionellen Begrüßungsgeschenk für die Hafenmitarbeiter. Betriebswirt Achim hat anhand des Marktpreises der Fische sogleich den return on investment seiner Angeln ermittelt (noch 4 Fische). Wir arbeiten momentan am Business Case als Fischer in Ägypten.

Der Törn war nichts für Warmduscher, weswegen Markus auch nur halb begeistert ist. Interessant machten ihn ein paar eingestreute Erschwernisse:

  • Die Crew war nicht das was man Vollprofis nennen würde (weitergehende Ausführungen nur im persönlichen Gespräch)
  • Seekarten und vor allem Karten für die Hafeneinfahrt bei Nacht wurden als nicht notwendig erachtet
  • Das Hauptsegel konnte aufgrund falsch angebrachter Reffseile nicht aufgezogen werden; dies bei 30 Knoten und 3,5m-Wellen zu korrigieren erschien etwas riskant
  • Der Steuerbord-Motor fiel wegen eines Problems mit der Lagerung der Schiffsschraube aus (nicht das erste Mal, hier hat Volvo gepfuscht)
  • Die Weiterfahrt auf einem Motor und mit Vorsegel war langsam und nicht innerhalb der Spritreserven möglich
  • Die dann beschlossene Aktion, das Hauptsegel doch aufzuziehen ging nicht ohne Gefährdung von Material und Menschenleben
  • Die schwierige Hafeneinfahrt von Port Ghalib (ohne Karten!) wurde durch kaputte und nicht sichtbare Marker noch zusätzlich interessant. Gleichzeitig stelle man fest, dass der Bordfunk nicht funktionierte aber heutzutage kann man den Hafenlotsen auch per Handy anrufen.

Alles in allem ein gelungener Trip. Heute geht es im Auto zurück nach El Gouna.

Flugpause

Nachdem wir gestern nach gut 13 Stunden Flugzeit an unserem Ziel El Gouna angekommen sind, bleiben wir heute auf dem Boden – bzw. auf dem Wasser und geniessen den Ägyptischen Frühling (wörtlich, nicht sprichwörtlich) mit Baden, Angeln, Wakeboarden, Ausruhen. Mitte nächster Woche werden wir uns auf den Rückweg in den kühlen Norden machen — und dann natürlich wieder berichten.